


Integration von Migrantinnen und Migranten:
Der Fachkräfteengpass ist längst im Alltag vieler Kfz-Betriebe angekommen. Gleichzeitig gibt es Interesse von Migrantinnen und Migranten, im Kfz-Gewerbe zu arbeiten. Damit Integration im Betrieb gelingt, braucht es praktische Hilfen, verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie gute Beispiele aus der Praxis.
Die Aktion START unterstützt Kfz-Betriebe dabei, mit konkreten Hilfen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Ziel ist es, die Integration von Migrantinnen und Migranten nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie aktiv zu gestalten. In der Branche werden bereits Migrantinnen und Migranten ausgebildet. Grundvoraussetzungen sind ausreichende Sprachkompetenzen und Verlässlichkeit hinsichtlich der Rahmenbedingungen.
Mit der Aktion START bündelt das Kfz-Gewerbe erstmals verschiedene Maßnahmen zur Integration von Migrantinnen und Migranten. Geplant sind fünf miteinander verzahnte Bausteine: ein Informationspaket und Wissenscontainer mit praktischen Hilfen für Betriebe, ein interaktives Webinar, ein mehrwöchiger E-Mail-Kurs, eine bundesweite Online-Kampagne mit Social Clips sowie ein Media-Kit für Landesverbände und Innungen.

Integration von Migrantinnen und Migranten –
Handlungsfelder im Betrieb
Integration beginnt im Alltag des Kfz-Betriebs. Sprache, Teamkultur und Orientierung im Behördennetz sind die drei wichtigsten Felder, in denen Betriebe aktiv unterstützen können. Die folgenden Materialien bieten konkrete Hilfen, um Migrantinnen und Migranten Schritt für Schritt einzubinden – praxisnah und direkt umsetzbar.
1. Sprache und Kommunikation im Betrieb
Gute Verständigung ist die Grundlage jeder erfolgreichen Zusammenarbeit. Kleine Maßnahmen im Alltag können viel bewirken: klare Sprache, visuelle Hinweise und geduldige Kommunikation im Team. Ergänzend helfen berufsbegleitende Sprachkurse und Förderangebote, Sprachbarrieren abzubauen und Sicherheit im Berufsalltag zu gewinnen.
2. Onboarding und Integration im Team
Ein gelungener Start entscheidet über Motivation und Bindung. Strukturiertes Onboarding sorgt für Orientierung, fördert Vertrauen und stärkt das Miteinander im Team. Interkulturelle Offenheit und gegenseitiges Lernen sind dabei entscheidend. Praxisbeispiele aus Kfz-Betrieben zeigen, wie Integration als Teil der Unternehmenskultur gelingen kann und andersherum Unternehmenskultur auch weiterentwickeln kann.
3. Behörden und Unterstützungssysteme
Viele Fragen im Integrationsprozess lassen sich schneller klären, wenn die richtigen Anlaufstellen bekannt sind. Ob Landesverbände, Innungen, Kammern, Jobcenter oder Integrations- und Anerkennungsstellen: die Übersicht hilft, den passenden Kontakt zu finden und Förderprogramme gezielt zu nutzen. So bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: das Arbeiten im Team.

Wichtige Voraussetzung für alle Aktivitäten:
Rechtliche Voraussetzungen und Bleibeperspektive klären
Vor jeder Integrationsanstrengung müssen asyl- und aufenthaltsrechtlicher Status vollständig geprüft sein. Entscheidend ist, ob eine Aufenthaltserlaubnis nach den Paragrafen 16 bis 26 im Aufenthaltsgesetz (AufenthG) vorliegt, ob eine Duldung nach Paragraf 60a AufenthG besteht oder ob der oder die betreffende Person sich im Asylverfahren befindet, das nach dem Asylgesetz geregelt ist. Eine Prüfung der Beschäftigungserlaubnis durch die Ausländerbehörde ist zwingend.
Nicht selten investieren Betriebe in Ausbildung, Qualifizierung und Integration und werden später durch ausländerrechtliche Entscheidungen wie Versagung oder Widerruf einer Aufenthaltserlaubnis, Ablehnung eines Asylantrags oder die Anordnung der Ausreise nach Paragraf 50 AufenthG vor vollendete Tatsachen gestellt. Um solche Abbrüche zu vermeiden, sollten Kfz-Betriebe vor der Einstellung immer die Bleibeperspektive klären. Dazu zählt auch die Frage, ob die Voraussetzungen für eine Ausbildungsduldung nach Paragraf 60c AufenthG vorliegen oder ob eine Aufenthaltserlaubnis zu Ausbildungszwecken nach Paragraf 16a oder 16g AufenthG möglich ist.
Kfz-Betriebe sollten frühzeitig den Kontakt mit der zuständigen Ausländerbehörde suchen und sich bei spezialisierten Migrationsberatungen informieren. Auch Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern unterstützen.

Förderprogramme und Unterstützungsangebote
Bund und Länder bieten zahlreiche Förderprogramme, die gezielt Integration und berufliche Qualifizierung unterstützen. Das BAMF fördert etwa Berufssprachkurse und Integrationskurse als Teil der Integrationsangebote. Die Agentur für Arbeit kann bei Einstellung von Migrantinnen und Migranten Zuschüsse wie Eingliederungszuschüsse zahlen. Der Europäische Sozialfonds (ESF) finanziert Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, oft gekoppelt an regionale Förderlinien.
5 Förderformen, die für Kfz-Betriebe interessant sein können:
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Zuschüsse für Sprachkurse und Coaching (durch berufsbegleitende Sprach- oder Integrationskurse)
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Eingliederungszuschüsse zur Reduktion des Lohnrisikos bei Neueinstellungen
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Qualifizierungsprämien oder Weiterbildungskostenübernahmen im Rahmen der Förderung beruflicher Weiterbildung
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Assistierte Ausbildung / ausbildungsbegleitende Hilfen, wenn Auszubildende durch Sprach- oder Lernschwierigkeiten Unterstützung benötigen (die Option der AsA / abH)
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Förderung von Mentoring-Programmen oder Integrationsprojekten in Kooperation mit Kammern oder Projektnetzwerken
Hinzu kommen Landesprogramme zur Fachkräftesicherung und Integrationsbeauftragte in den Bundesländern mit spezifischen Förderlinien (z. B. Zuschüsse für Sprach- oder Coachingmaßnahmen). Diese Programme ergänzen sich und lassen sich oft kombinieren, wenn die Antragstellung gut koordiniert ist.
Verlinkung auf regionale Datenbanken und Förderwegweiser
Um gezielt passende Förderprogramme zu finden, sind regionale Datenbanken und Förderwegweiser für Betriebe essenziell. Beispielsweise führt das Förderdatenbank-Portal des Bundes alle aktuellen Bundes-, Landes- und EU-Förderprogramme inklusive Antragsmodalitäten und Zuständigkeiten auf. Für jedes Bundesland existieren zusätzlich Spezialdatenbanken und Informationsportale (z. B. Wirtschaftsförderungsagenturen, Integrationsbeauftragte). Landesverbände und Innungen werden empfohlen, eigene Übersichten zu erstellen (mit Postleitzahlenfilter, Antragsfristen, kontaktierbaren Stellen) und diese lokal zu verbreiten.
Beispiel eines Kfz-Betriebs, wie Fördermittel genutzt werden können
Ein mittelständischer Kfz-Betrieb plant, vier Migranten einzustellen. Mit Hilfe eines Beraters vor Ort stellt er Anträge auf Eingliederungszuschuss und Qualifizierungsförderung für Sprachkurse und Coaching. Die Agentur für Arbeit unterstützte mit einem Zuschuss, der den Lohnkostenanteil über zwei Jahre reduzierte. Parallel nutzte der Betrieb ein Landesprogramm zur Integration, das Zusatzkosten für Mentorenstunden übernahm. So wurden Anfangskosten gesenkt, Sprachbarrieren schneller überwunden und die Mitarbeiterbindung verbessert.

Abgrenzung: Auslandsrecruiting vs. Integration
Integration und Auslandsrecruiting gehören zusammen. Sind aber nicht dasselbe.
Integration im Kfz-Betrieb beschreibt den Prozess, neue Mitarbeitende, insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund, fachlich und sozial in den Betrieb einzubinden. Sie beginnt schon vor dem ersten Arbeitstag und zielt darauf, kulturelle und sprachliche Barrieren abzubauen. Strukturierte Onboarding-Maßnahmen, Mentoring oder Buddy-Systeme schaffen Orientierung, stärken das Zugehörigkeitsgefühl und fördern Motivation. Entscheidend ist, das Team mitzunehmen und interkulturelle Sensibilität zu entwickeln; etwa durch Schulungen oder gezielte Kommunikation im Alltag.
Auslandsrecruiting meint dagegen die aktive Gewinnung internationaler Fachkräfte. Unternehmen veröffentlichen Stellen international, nutzen Netzwerke und Agenturen und begleiten Bewerberinnen und Bewerber bei Visa-, Sprach- und Anerkennungsverfahren. Unterstützt durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll dieser Prozess Fachkräfte nach Deutschland holen.
Die Aktion START konzentriert sich zunächst auf den Bereich der Integration, weil er alle neuen Kolleginnen und Kollegen betrifft und viele Kfz-Betriebe bereits heute vor dieser Aufgabe stehen. Parallel gibt es beim ZDK sowie in Landesverbänden und Innungen Initiativen und Austausch zum Thema Auslandsrecruiting.
Webinare zum Thema
"Integration internationaler Mitarbeiter"
Praxistipps und Fördermöglichkeiten
Wie gelingt Integration im Betrieb konkret und alltagstauglich? Im Webinar haben Inhaber:innen und Personalverantwortliche aus dem Kfz-Gewerbe erfahren, wie sie Migrantinnen und Migranten im Arbeitsalltag integrieren können. Dr. Anika Jansen vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) gab im Dezember 2025 einen Überblick über bundesweite sowie regionale Fördermöglichkeiten und zeigten praxisnahe Ansätze für Kfz-Werkstätten und Autohäuser.
Hier finden Sie die Präsentation sowie den Mitschnitt des Webinars zum Nachschauen:
In 5 Schritten zur stabilen Zusammenarbeit
Wie gelingt Integration internationaler Mitarbeitender im Kfz-Betrieb konkret und alltagstauglich? Im zweiten Webinar der Aktion START ging es um fünf konkrete Schritte zu den zentralen Fragen von Integration im Werkstatt- und Autohausalltag: Führung und Verantwortung klären, rechtliche Voraussetzungen sicher prüfen, Kommunikation und Sprache stärken, Onboarding gut strukturieren sowie Unterstützungs- und Förderstrukturen nutzen.
Hier finden Sie die Präsentation sowie den Mitschnitt des Webinars zum Nachschauen:
Media-Kit zum Download
Mit dem Media-Kit stellen wir Landesverbänden/Landesinnungsverbänden und Innungen ein praxisnahes Gesamtpaket zur Verfügung, um das Thema Integration von Migrantinnen und Migranten in Kfz-Betrieben umfassend zu kommunizieren. Es bündelt Hintergrundinformationen, passgenaue Texte, visuelle Vorlagen und Kommunikationsmaterialien, die direkt eingesetzt und individuell angepasst werden können.
Das Kit ist modular aufgebaut. Es enthält Basis-Materialien, Bausteine für eine Landingpage zum Thema sowie konkrete Kommunikationsmaterialien für Social Media und weitere Kanäle.
Ziel ist es, die Sichtbarkeit für das Thema zu erhöhen und Kfz-Betriebe vor Ort bei der Integration von Migrantinnen und Migranten aktiv zu unterstützen.
Eigene Erfahrungen und Hinweise einbringen:
Wenn Sie Ansprechpersonen, Projekte oder hilfreiche Materialien kennen, die in dieser Übersicht ergänzt werden sollten, freuen wir uns über Ihre Hinweise.

Kontakt
Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks, Abteilung Berufsbildung und Fachkräftesicherung